Blut und Morde
Age of Conan ist erfrischend anders: dreckig, brutal, nackt. Man könnte fast behaupten, es ist das Battlestar Galactica der Online-Rollenspiele: Erwachsenenunterhaltung ohne Kompromisse. Dummerweise richtet sich auch der Schwierigkeitsgrad danach.
Meine MMORPG-Wurzeln liegen in Dark Age of Camelot und ich will nicht behaupten, dass das ein leichtes Spiel wäre. Aber ich habe das Gefühl, dass ich in den zwei Jahren mit meinem Level-50-Hüter nicht so oft im Dreck lag, als nach einer Woche in Hyboria.
Vielleicht bin ich durch World of Warcraft und die Ein-Mann-Gruppe namens Paladin zu sehr verwöhnt, trotzdem übertreibt es Funcom etwas: die Balance zwischen den einzelnen Klassen schwankt noch stark. Ich sehe die Nahkämpfer momentan klar im Nachteil. Magier, insbesondere der Nekromant, walzen problemlos Gegnergruppen platt, während mein Barbar bei der gleichen Anzahl Feinde den Heldentod sterben würde oder Fersengeld geben muss.
Dafür ist das aktive Kampfsystem deutlich abwechslungsreicher, als die immer gleiche Button-Klickerei der meisten anderen MMORPGs. Kombos bestehen zwar immer aus derselben Tastenreihenfolge, dennoch muss man sie geschickt einsetzen, damit sie nicht an der Deckung des Gegners verpuffen.
Leider sind die Hardware-Anforderungen recht hoch, dafür stimmt die Optik. Ohne die kürzliche Aufrüstung von der Geforce 8800 GTS 320 auf eine Radeon HD 4870, verkäme es aber wohl zum Dia-Vortag: »Hargh, der Barbar«. Trotzdem ruckelt es immer wieder. Gerade die Hauptstädte verkommen oft zum Daumenkino. Hoffentlich wird das noch weiter verbessert.
Im späteren Spielverlauf gibt es wohl noch viele Probleme, aber bis ich in diesem Level-Bereich bin, vergeht wohl viel Zeit. Immerhin habe ich in Dark Age of Camlot zwei Jahre für Level 50 gebraucht (war noch vor den Vereinfachungen) und in World of Warcraft, hat es in drei Jahren auch nur zu Level 54 gereicht.
Insgesamt gefällt mir Age of Conan momentan sehr gut. Es hebt sich deutlich von anderen Online-Rollenspielen ab und bietet gute Unterhaltung – trotz eines stellenweise überzogenen Schwierigkeitsgrads.